Warum Denkmalschutz?
In den letzten 30 Jahren wurden allein in Bayern etwa 30.000 Denkmäler zerstört, schätzt Uta Hassler, Professorin für Denkmalschutz und Baupflege in Zürich. Ein Schwerpunkt liegt hier zweifelsfrei in Mainfranken.


Das Gartendenkmal Ringpark konnte vor der Zerstörungswut der Stadtplaner gerettet werden. Der Plan, eine bis zu sechsspurige Autobahn um die Altstadt sowie Parkplätze hier zu bauen, konnte von Denkmalschützern verhindert werden.
Auch der Abbruch des Alten Kranen wurde von engagierten Denkmalschützern verhindert. Durch den Abriss hätte der Verkehr kreuzungsfrei unterhalb der Juliuspromenade am Fluss entlang fahren können. So bevölkern Studierende und Touristen das Gebiet. Der Verkehr muss dafür über eine Ampelkreuzung am Fuß der Juliuspromenade mehrere Sekunden längere Fahrt in Kauf nehmen.

Die Abrissbagger standen schon vor dem Gebäude. Engagierte Denkmalschützer retteten das Handwerkerhaus aus dem 16. Jahrhundert in der Pleicherkirchgasse in buchstäblich letzter Sekunde (Bild links). Die Nachbargebäude hatten weniger Glück. An ihre Stelle entstanden langweilige Neubauklötze (Bild rechts). Der Abriss eines halben Stadtviertels zwischen Juliuspromenade und Pleicherkichplatz konnte so nur zu einem kleinen Teil verhindert werden.
Für den Denkmalschutz sprechen u.a.
1. Umweltschutz
Eine ziemliche Umweltverschmutzung ist der Abriss alter Gebäude. Zunächst da bei Hausabbrüchen die höchsten Feinstaubwerte in Städten gemessen werden, dann für die immensen Energiekosten, die die Zerstörung alter Mauern abverlangen und die Transporte in spezielle Deponien. Dort werden Energien für das Recycling aufgewandt und zu guter Letzt verschwenden Betonneubauten hohe Mengen an Energie. Die hierfür nötigen Energien sind so hoch, dass selbst die SPD die positive Klimabilanz von Atomkraftwerken in Frage stellen, da sie aus Beton gebaut sind.
Zitat:
"Obwohl weit über 80% der Bürger den Denkmalschutz als wichtig bezeichnen, gilt er Politikern oft als Investitionshemmnis," schreibt Nikolaus Bernau in der Zeitschrift Das Parlament und wundert sich:
"Der Kontrast könnte nicht größer sein: Endlich hören wir die Hiobsbotschaften von der Klimafront, selbst Auto-, Energie- und Flugkonzerne müssen reagieren. Gleichzeitig rollt eine Abrisswelle durch die Bundesrepublik. Abrisse sind aber vor allem eines: eine immense Energieverschwendung. ...
Abrisse habe es immer wieder gegeben, wird behauptet. Das ist genau solcher Unsinn wie die romantische Vorstellung, früher hätten die Menschen mehr Schönheitssinn gehabt. Alte Mauern und selbst halb ausgebrannt Dachstühle blieben über Jahrhunderte erhalten, weil sie einen immensen Wert darstellten. ... Denn Abrisse lohnen sich selten. Sie verschwenden die in der vergangenen Bauarbeit und in dem verbauten Material fest gebundene Energie. Jeder Ziegel, jede Betondecke, jeder Stahlträger oder Nagel ist von ihr gefüllt. Wer abreißt, wirft dies Vermögen weg. Selbst Recycling benötigt neue Energiezufuhr, nicht zu vergessen auch die Energie, die für Transport und schließlich den Neubau aufgewandt werden muss."
Nikolaus Bernau: Jeder Bau ist einzigartig. Gegen den Abrisswahn. In: Der Deutsche Bundestag (Hrsg.): Das Parlament vom 16./23.4. 2007. Der ganze Artikel
In der Süddeutschen Zeitung wird gar über eine Relativierung der Ökobilanz der Bahn als umweltfreundlichstes Verkehrsmittel berichtet und zwar vor allem wegen des "Einsatzes von Beton für den Bau von Bahnhöfen," der andere Verkehrsmittel günster erscheinen lässt. Mehr hier
2. Identität
Denkmalschutz stärkt regionale Identitäten. Regionale Identität schützt Regionen vor Abwanderung in einer Zeit in der die Menschen flexibler geworden sind und die Nähe zur Familie nicht so sehr wie in der Vergangenheit an einen Ort bindet. "Regionale Identitäten aber machen sich weniger an allgemein als "schön" eingeschätzten Bauten, sondern vor allem an gewohnten Stadt- und Landschaftsbildern fest. ... Heute um die 30- bis 40-Jährige sind in der Nachkriegsmoderne groß geworden, deshalb engagieren sie sich so sehr für den Erhalt von Bauten, die lange nur als kalt wahrgenommen wurden. Sie stellen sich damit in jene große Widerstandstradition der Denkmalpflege, die seit der Kaiserzeit erst den Barock, dann den Zopfstil und den Biedermeier, später die Gründerzeit, den Jugendstil, die Klassische Moderne gegen alle Angriffe ... verteidigten. Hätte man gewartet bis all diese Bauten als "schön" akzeptiert worden wären, hätte man sich meist nur an Fotos delektieren können."
Nikolaus Bernau: Jeder Bau ist einzigartig. Gegen den Abrisswahn. In: Der Deutsche Bundestag (Hrsg.): Das Parlament vom 16./23.4. 2007.
3. Kulturerhalt
Denkmalschutz ist immer auch eine Frage des Respekts vor den Schöpfungen vergangener Generationen und vor allem kulturhistorisches Zeugnis. Wer die Architektur eines Ortes zerstört, wird kaum ein Geschichtsbewusstsein und kulturelle Kreativität erhalten können.
Zitat von Burkard Held, ehemals Vorsitzender des Verschönerungsvereins, der für den Erhalt des Ringparks kämpfte als die "modernen" Würzburger ihre Stadt durch eine Autobahn um die Altstadt herum anstelle des Parks "modernisieren" wollten:
"Einseitig denkende Stadtplaner beschwören eine Gefahr für den grünen Ringpark herauf, indem sie die Verkehrsschlangen mehrbahnig unter teilweiser Auflösung des grünen Ringes legen.
Man sollte wirklich nicht den Verkehr als so überragenden Kultureinbruch betrachten, dass man ohne Rücksicht auf die alte Kultur und die Gesundheit des Menschen, ihm allein das Wort spricht. Eine neue Form der Zivilisation - mehr ist der Verkehr wohl kaum - kann nie aus der Vernichtung alter Kultur und Schöpfung erwachsen."
(Aus "Das Würzburger Glacis. Geschichte und Probleme eines wertvollen Kulturdenkmals" herausgegeben vom Verschönerungsverein Würzburg e.V.)

Das Gartendenkmal Ringpark konnte vor der Zerstörungswut der Stadtplaner gerettet werden. Der Plan, eine bis zu sechsspurige Autobahn um die Altstadt sowie Parkplätze hier zu bauen, konnte von Denkmalschützern verhindert werden.
Zitat von Fatih Akin, bekannter Filmregisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Produzent:
"Der geplante Abriss des Gängeviertels ist ein Beispiel dafür, dass sich die Stadt Hamburg an ihrem Erbe vergeht. Hamburg wird nie eine Weltstadt werden. Du kannst nur eine Weltstadt sein, wenn du Respekt hast vor der Vergangenheit." Das Selbe gilt wohl für den Aufstieg von der Provinz zur Großstadt, was viele vergeblich für Würzburg wollen.