In vielen Städten fahren Trambahnen oberleitungfrei

- und nun auch mit zukunftsweisender, Strom und Geld sparender Technologie!



Hintergrund: Die Stadt Würzburg plant eine Straßenbahn mit Oberleitung und dazugehörigen Strommasten über den zum Welterbe gehörenden Residenzplatz zu bauen sowie die Hofallee (Balthasar-Neumann-Promenade und Ottostraße) teilweise dafür zu fällen. Dabei berichtet der SWR über Alternativen, die richtig Strom und Geld sparen - mehr hier! Wie in Würzburg die Masten der "Straba" aufgestellt werden sieht man hier.

RNV-online berichtet ausführlich:

Erste RNV-Energiespeicherbahnen gehen in den Einsatz

(vom 21.12.2009)

Am Freitag, 18. Dezember, nahm die RNV am Standort Heidelberg die weltweit ersten sechs von insgesamt 19 bestellten Serienfahrzeugen mit neuartigem Energiespeicher in Betrieb. Damit beginnt eine neue Ära im Heidelberger Nahverkehr. Der Energiespeicher „BOMBARDIER MITRAC Energy Saver" ermöglicht unter anderem ein abschnittsweises Fahren ohne Strom aus der Oberleitung und eine Energieersparnis von bis zu 30 Prozent.

"Damit übernimmt die RNV als führender Mobilitätsdienstleister der Metropolregion Rhein-Neckar einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz", sagt Martin in der Beek, technischer Geschäftsführer der RNV. Die Entscheidung, für die Bestellung von Serienfahrzeugen auf den Energy Saver zu setzen, fiel bei der RNV aus mehreren Gründen.

"Gerade in einer Region, die stark durch Luftschadstoffe belastet ist, hat der öffentliche Nahverkehr einen besonderen Stellenwert", erklärt in der Beek. "Für die als Umweltzonen ausgewiesenen Innenstädte von Mannheim und Heidelberg bedeutet die elektrische Bahn bereits eine spürbare Minderung der Feinstaub- und Schadstoffbelastung."

Klimafreundliche Mobilität

Mit dem Einsatz der Energiespeichertechnik bietet die RNV nun noch bessere Voraussetzungen für eine klimafreundliche Mobilität im Rhein-Neckar-Dreieck. Hinzu kommt, dass alle Anstrengungen für einen noch energieeffizienteren Betrieb angesichts künftig weiter steigender Energiepreise von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung für ein Verkehrsunternehmen sind. Gleichzeitig setzen wir mit den neuen Bahnen die Modernisierung des RNV-Fuhrparks konsequent fort.

Künftig sind noch mehr niederflurige Bahnen mit dem Komfort unterwegs, den die Kunden von einem attraktiven Nahverkehr zu Recht erwarten. Deshalb danken wir besonders im Namen unserer Kunden der Stadt Heidelberg, der Heidelberger Straßenbahn und Bergbahn sowie den Heidelberger Stadtwerken, dass die schwierige Finanzierung dieser zukunftsweisenden Investition gelungen ist.

Die neuen Fahrzeuge vom Typ Rhein-Neckar-Variobahn wurden von Bombardier Transportation im Werk Bautzen produziert, die Entwicklung und der Bau des Energy Savers erfolgten am Bombardier-Standort Mannheim.

Nachdem die Praxistauglichkeit dieses Systems in einem über vier Jahre dauernden Test bestätigt wurde, setzt die RNV bei der Fahrzeug-Neubeschaffung konsequent auf den "EnergySaver" und ist damit das erste Verkehrsunternehmen weltweit, das diese Technik in einem Serienfahrzeug einsetzt.

Eine lohnende Zukunftsinvestition

"Die Bahnen mit der neuen Technologie sind für Heidelberg eine lohnende Zukunftsinvestition in einen leistungsstarken und zugleich klimaschonenden Nahverkehr", betont Dr. Eckart Würzner, Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg. "Und natürlich sind wir auch stolz, dass dieses wegweisende Pilotprojekt weltweit zuerst in Heidelberg startet."

"Ich freue mich besonders, dass der MITRAC Energy Saver zuerst dort eingesetzt wird, wo er auch entwickelt wurde. Es gibt bereits konkrete Pläne, die Straßenbahn über zwei Abschnitte von je rund 400 Metern in Heidelberg oberleitungsfrei fahren zu lassen. Die Technologie kommt direkt aus der Nachbarschaft, aus dem Mannheimer Bombardier-Werk", sagt Grego Peters, Präsident Light Rail Vehicles bei Bombardier Transportation. Und weiter: "Trotz der Energie-Einsparung braucht der Fahrgast bei den neuen Bahnen auf nichts zu verzichten. Die Züge bieten viel Komfort, verfügen über eine Klimaanlage und neuartige Doppelmonitore für Fahrgast-Informationen."

Zusammen mit der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) hat Bombardier Transportation von September 2003 bis Januar 2008 eine Mannheimer Stadtbahn der MVV Verkehr AG mit dem Energiespeicher MITRAC Energy Saver ausgerüstet und im täglichen Fahrgastbetrieb getestet. Nach dem Abschluss des Mannheimer Praxis-Tests kann der Energiespeicher, der auf dem Dach der Stadtbahn angebracht ist, als erprobte Technik angesehen werden. Er dient damit als technologische Grundlage für die modernen energiesparenden Stadtbahnen, die nun im Regelverkehr in Heidelberg eingesetzt werden.

Im Mannheimer Dauerbetrieb konnten zwei wesentliche Vorzüge des Energy Savers nachgewiesen werden: Zum einen spart das Fahrzeug rund 30 Prozent der Antriebsenergie gegenüber herkömmlichen Stadtbahnen.

Der gesamte Energieverbrauch des Fahrzeugs - also inklusive Nebenaggregaten wie Türen, Beleuchtung und Klimaanlagen - sank um rund 20 Prozent. In Anbetracht der Energiekosten für Stadtbahnen bedeutet dies für die RNV ein großes Einsparpotenzial. Zum zweiten konnte nachgewiesen werden, dass die MITRAC Energy Saver auch im Langzeitversuch im RNV Netz zuverlässig arbeiten und sich also auch für den Betrieb im gesamten Netz der RNV eignen.

Trotz der Energieeinsparungen braucht kein Fahrgast auf die gewohnte Zuverlässigkeit zu verzichten, verspricht Martin in der Beek: "Die neuen Stadtbahnzüge bieten den selben Komfort und Service. Unsere Fahrgäste werden gar nicht merken, dass sie sich noch umweltbewusster und klimafreundlicher fortbewegen".

Neubaustrecke ins Neuenheimer Feld

Die neuen "Energiespeicher-Bahnen" sollen unter anderem für den Betrieb auf der geplanten Neubaustrecke in das "Neuenheimer Feld" in Heidelberg eingesetzt werden. Rund 25 000 Beschäftigte, Studenten, Besucher und Patienten fahren jeden Tag in diesen wichtigen Universitäts- und Klinikstandort der Stadt. Mit dem Einsatz von Bussen in Spitzenzeiten im Minutentakt ist der ÖPNV hier an der Grenze der Leistungsfähigkeit, obwohl das Potential weitere Kunden zu gewinnen sehr hoch ist. Diese Situation kann nur durch den Bau einer leistungsfähigen Straßenbahntrasse gelöst werden.

Die optimale Trasse verläuft jedoch unmittelbar am mineralogischen und am physikalisch-technischen Institut der Universität Heidelberg sowie am Deutschen Krebsforschungszentrum entlang. Von den Forschungseinrichtungen wurde befürchtet, dass vorbeifahrende Bahnen elektromagnetische Felder erzeugen und dadurch empfindliche Messinstrumente, wie beispielsweise Raster-Elektronen-Mikroskope, beeinflussen könnten.

Solche Felder treten aber nur beim konventionellen Oberleitungsbetrieb auf. Bei der Stromversorgung der Fahrzeuge aus Energiespeichern sind dagegen die elektromagnetischen Felder auf ein Minimum reduziert. Daher wird die künftige Neubaustrecke durch das Neuenheimer Feld zwei drei- bis vierhundert Meter lange Abschnitte beinhalten, die von den Bahnen im Energiespeicher-Betrieb sicher durchfahren werden können.

Arbeitsweise des Energiespeichers

Der MITRAC Energy Saver spart bis zu 30 Prozent Energie ein und funktioniert nach dem System der Energierückspeisung: Drei auf dem Fahrzeugdach montierte Speicher nehmen mit ihren Kondensatoren die Energie auf, die beim Bremsen der Straßenbahnen zurückgewonnen wird, um sie beim Fahren wieder abzugeben. Die hoch leistungsfähigen Doppelschichtkondensatoren der MITRAC Energy Saver Geräte speichern bis zu 3 kWh pro Fahrzeug. Wenn das Fahrzeug anfährt und beschleunigt, braucht er besonders viel Strom und beansprucht das Stromnetz stark.

Durch den MITRAC Energy Saver wird diese Belastung um etwa die Hälfte reduziert, das Netz kann somit kostengünstiger ausgelegt werden. Im Gegensatz zu wartungsintensiven mechanischen Energiespeichern, die in Form von Schwungrädern beispielsweise in Bussen eingesetzt wurden, funktioniert die MITRAC Energy Saver-Lösung von Bombardier Transportation auf rein elektrischer Basis. Mehrere hundert zusammengeschaltete Speicherzellen pro MITRAC Energy Saver-Gerät nehmen so viel Energie auf, dass eine mit zwei Geräten ausgerüstete Stadtbahn bei weiterhin hoher Beschleunigung bis zu 1.000 Meter ohne externe Stromzuführung fahren kann.

Die auf Doppelschicht-Kondensatoren basierende, kompakte MITRAC Energy Saver-Lösung findet z.B. auf dem Dach einer Niederflurstadtbahn ihren Platz. Die Kondensatoren weisen eine wesentlich höhere Lebensdauer als Batterien auf und erbringen bis zu zehnmal mehr Leistung. Sie sind somit in der Lage die beim elektrischen Bremsen zur Verfügung stehende Leistung zu einem hohen Grad verlustarm zu speichern.

Die technische Entwicklung bei diesen - auch UltraCaps genannten - Kondensatoren ist rasant, noch vor fünf Jahren war ein entsprechendes System bei gleicher Leistung etwa fünfmal schwerer. Die nun in Heidelberg eingesetzten Energiespeicher bemessen sich auf 1900 x 950 x 455 mm und wiegen insgesamt lediglich etwa 450 kg.

Weitere Fahrzeuge bereits bestellt

Auch in Mannheim entschied man sich im Sommer 2008 für den Energy Saver. Die nächste Serie von drei achtachsigen Einrichtungs- und acht sechsachsigen Zweirichtungs-Fahrzeugen wird derzeit produziert und mit Hochleistungs-Kondensatoren ausgestattet.

Diese Stadtbahnwagen werden im kommenden Jahr in Betrieb genommen und vorrangig im Stadtgebiet Mannheim, sowie auf der regionalen Eisenbahnlinie 5 zwischen Mannheim, Heidelberg und Weinheim eingesetzt.

Daneben plant die RNV auch die Optimierung des Einsatzes von Energiespeichern. So wird bereits über eine Verknüpfung des Energiemanagementsystems der Speicher mit den jeweiligen Streckendaten nachgedacht, um immer den optimalen Ladezustand gewährleisten zu können. In einem zweiten Schritt wäre dann auch eine dynamische Optimierung denkbar, indem aus Streckenprofil, Ladezustand und aktuellem Fahrplan die energieeffizienteste Fahrweise errechnet und diese dem Fahrer vorgeschlagen wird.

Auszeichnungen

Für den Einsatz des MITRAC Energy Saver in Serienfahrzeugen gab es bereits mehrere Auszeichnungen. So wurde die RNV beim ÖPNV-Innovationspreis Baden-Württemberg im Juni 2009 mit dem ersten Platz unter immerhin 18 hochkarätigen Mitbewerbern ausgezeichnet. Und auch Bombardier Transportation war mit einem dritten Platz beim Umwelt-Technikpreis Baden-Württemberg erfolgreich.