Die Architektur der 50er
- wertvolles Dokument deutscher Geschichte und stilistisches Sahnehäubchen der Nachkriegszeit




Aula der denkmalgeschützten Mozartschule, die einem Shoppingcenter weichen soll.

Appel für die Nachkriegsarchitektur

"Nach den verheerenden Verlusten im Zweiten Weltkrieg und den gleichermaßen verlustreichen Nachkriegsentwicklungen ist es jetzt dringend geboten, ernsthaft darüber nachzudenken, ob unsere Generation ihren Enkeln ein von echten Geschichtszeugnissen weitestgehend bereinigtes Land hinterlassen wird" heißt es im Bonner Appel vom 29. April 2010.

Die Bewahrung bedeutender und qualitätvoller Nachkriegsarchitektur als "Zeugen der sich nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs hoffnungsvoll darstellenden jungen demokratischen Gesellschaft" ist ein großes Anliegen des Appels. Begrüßt werden die Initiativen von Bürgern, die sich gegen die Zerstörung ihrer eigenen Geschichte, wie das Schauspielhaus in Köln und die Beethovenhallen in Bonn, zur Wehr setzten. Ihr geplanter Abriss zugunsten eines Festspielhauses konnte zwar kürzlich nach massiven Protesten aus der Bevölkerung abgewendet werden. Die Tatsache, dass das Gebäude seit 1990 unter Denkmalschutz steht, spielte dabei aber eine untergeordnete Rolle. Nun jedoch muss die Beethovenhalle für ihre weitere Aufgabe als Konzert- und Festhaus denkmalverträglich saniert werden.

Dass immer wieder denkmalgeschützte Gebäude zugunsten von Neubauten zur Disposition stehen, hat auch mit der zunehmenden Beschränkung der Handlungs- und Redefreiheit von Denkmalpflegern zu tun. Es wird daher an das Verantwortungsbewusstsein politischer Entscheidungsträger appelliert.

Aus: Monumente, Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, Nr. 5/6 2010.

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Flyer zur Architektur der Mozartschule

Liebe deine Stadt, Kölner für die Nachkriegsarchitektur

50er-Jahre Denkmal in Köln: Bürgerlicher Ungehorsam zur Rettung des Schauspielhauses

Manifest Ihr seid Künstler und wir nicht! Wir wollen unser Schauspielhaus behalten!

Uns Kölnern und Kölnerinnen reicht´s endgültig: Auf Kölner Schutt und Asche wurden zwischen 1954 und 1962 das Opern- bzw. das Schauspielhaus als neues, kulturelles Zentrum unserer Stadt erbaut. Bundeskanzler und Bundespräsident eröffneten die Kulturbauten, denn bis heute steht Kultur für unser Selbstverständnis als Bürger und Bürgerinnen. Das Ensemble aus Schauspiel- und Opernhaus in seiner großzügigen Form ist eine nationale Ikone des deutschen Wiederaufbaus. Jahrelang wurde die Bausubstanz vernachlässigt. Nicht nur in Köln werden diese gewachsenen Orte der kulturellen Identität heute missachtet, zu Tode gespart und dann „in einem Akt des administrativen Vandalismus“ zerstört, um für einzelne Leuchtturmprojekte der Politik und der kooperierenden Investoren Platz zu machen. So wird der Kahlschlag im Kulturbetrieb vorangetrieben.

Der Schock des im U-Bahnschacht versunkenen Kölner Stadtarchivs sitzt tief. Wir Bürger schauen schon viel zu lange sprachlos dabei zu, wie die von uns finanzierten Städte auf Grund fataler Fehlentscheidungen in den Bankrott laufen.

Jetzt ist es an der Zeit, aus der abwartenden Haltung und der Trübsal auszubrechen. Wir Bürger fordern unser Recht auf unsere Stadt ein, und in diesem Sinne wollen wir unser Schauspielhaus als Symbol unserer Identität erhalten.

Gegen die Kompetenz der Schauspielintendantin wurde der Neubaubeschluss durchgesetzt. Wer ist denn nun der Künstler? Dafür hält auf dem Plakat, stellvertretend für die kulturinteressierten Bürger, der Vorsitzende des Kölnischen Kunstvereins Wolfgang Strobel den rot-weißen Fanschal mit der polemischen Parole.

„Ihr seid Künstler und wir nicht!“ Unter diesem Motto wird auch ein Künstlerwagen auf dem Rosenmontagszug präsentiert, und mit diesem spielerischen und lustvollen Gegenangriff nehmen die in Köln ansässigen Künstler die Obrigkeit aufs Korn und nutzen dazu die Tradition des Karnevals. Wir Kölner und Kölnerinnen werden am Rosenmontag das karnevaleske Paradox „Ihr seid Künstler und wir nicht!“ skandieren und damit unser aller Mitverantwortung für Kultur einfordern.