Nach dieser Stadtratssitzung haben wir in einem gemeinsamen Pressetermin mit anderen Organisationen unseren Unmut kundgetan, professionelle Bildmontagen vorgestellt und von unseren Plänen für ein Bürgerbegehren berichtet.

Zukünftiger Blick von der Löwenbrücke. Montage VVW

Pressemitteilung des Verschönerungsvereins Würzburg e. V., des Arbeitskreises Studierende für Denkmalschutz, der Heiner-Reitberger-Stiftung und der Bürgerinitiative ringpark-in-gefahr:


Mit Bestürzung haben wir die Beschlüsse des Umwelt- und Planungsausschusses vom13.1.2009 und des Stadtrates vom 22.1.2009 zur Kenntnis genommen, die einem Investor die Errichtung eines neuen Hochhauses anstelle des denkmalgeschützten, zum Abbruch bestimmten Ämterhochhauses ermöglichen sollen. Besonders entsetzt uns die nunmehr geplante Gesamthöhe des Gebäudes von 33,90 m (ohne Mobilfunkantennen); nicht beruhigen kann demgegenüber die Forderung des Stadtrates, künftig die bis dahin geplanten „technischen Aufbauten“ auf dem Flachdach zu streichen. Die dazu erforderliche Korrektur des Vorhaben- und Erschließungsplanes mit der vom Stadtrat beschlossenen Reduktion der „technischen Aufbauten“ liegt übrigens bis heute nach unserer Kenntnis noch nicht vor.

Das neue Hochhaus wird – auch nach dem Verzicht auf die genannten Aufbauten – beträchtlich massiver ausfallen als das alte Ämtergebäude, da es 10 Vollgeschosse aufweisen soll, während das alte Hochhaus nur 7 Vollgeschosse besitzt! Trotz der am 21.1. vom Stadtrat beschlossenen Reduktion seiner Höhe wird der Neubau immer noch die Dachfirsthöhe des bestehenden Baus übertreffen. Dessen Trauflinie wird der Neubau sogar um über 5 m überragen. Die Zahlenakrobatik der Stadtverwaltung verschleierte, ob die von ihr gemachten Höhenangaben sich auf die Traufe oder den First des Altbaus bezogen, so dass die wahre Höhe des Neubaus nicht leicht zu erkennen war. Kaum verständlich ist, dass diese in Würzburg übliche Methode augenwischerischen Rechnens nicht längst schon grundsätzlich vom Stadtrat kritisch hinterfragt wurde (jüngstes Beispiel Bebauungsplan Mozartschule). Das geplante 33,90 m hohe Flachdachhochhaus auf quadratischem Grundriss wird der geschützten Altstadt mit ihrer typischen, von Kirchtürmen, Kuppeln, Sattel- und Walmdächern geprägten Silhouette schweren Schaden zufügen. Man vergäbe damit die Chance, durch einen in seiner Höhe begrenzten und in seinen Formen der Altstadt angemessenen Neubau das Stadtbild aufzuwerten. Es ist nicht hinnehmbar und liegt keinesfalls im öffentlichen Interesse, wegen eines möglichst hohen Verkaufserlöses der Stadt und der Renditeüberlegungen eines Investors eine solch kolossale Bausünde zu begehen.

Das bisherige Gebäude hat eine schlichte zurückhaltende Architektursprache, wodurch es sich trotz seiner „herausragenden“ Höhe in das Stadtbild erträglich einfügt. Dem gegenüber wird das geplante Hochhaus eine falsche und extrem störende neue Dominante im Altstadtgefüge bilden. Wegen des vorgesehenen Flachdaches wird der Neubau (auch ohne die „technischen Aufbauten“) - es sei nochmals betont - optisch um etwa 5,50 m höher als der Altbau erscheinen! Erfahrungsgemäß kann sich ein Teil der Bürger anhand der Pläne keine anschauliche Vorstellung davon machen, wie die Baumasse und das Flachdach in der historischen Stadtlandschaft wirken werden. Deshalb dürfte der Allgemeinheit erst nach der Fertigstellung des Hochhauses, ähnlich wie im Fall des VR-Forum auf dem Marktplatz und des Hotelturms, das ganze Ausmaß dieser neuen städtebaulichen ‚Sünde’ bewusst werden.

Der Verschönerungsverein Würzburg (VVW) und die anderen o. g. Bürgervereinigungen sehen zwei Alternativen im weiteren Vorgehen. Wir fordern: - entweder Erhaltung des denkmalgeschützten Altbaus und dessen Sanierung; hierfür hat der VVW bereits seine Unterstützung in Form eines von ihm zu finanzierenden Gutachtens zur erhaltungsorientierten Prüfung der Statik signalisiert; - oder – wenn ein Abbruch wirklich unumgänglich ist - Anpassung eines Neubaus an die Gebäudehöhen in der Nachbarschaft, um das Gesamtbild der Altstadt nicht zu verunstalten. Der VVW wird im Zuge der Bürgerbeteiligung noch ausführlich mit den hier vorgelegten Fotomontagen Stellung nehmen. Er behält sich juristische und weitere Schritte gegen die Planungen vor. Würzburg, 27. Februar 2009 Im Namen der Vorstandschaft des VVW: Prof. Dr. Stefan Kummer, 1. Vorsitzender Für den Arbeitskreis Studierende für Denkmalschutz: Florian Evenbye Für die Heiner-Reitberger-Stiftung: Dr. Suse Schmuck Für die Bürgerinitiative ringpark-in-gefahr: Raimund Binder

Zukünftiger Blick vom Käppele. Montage VVW