GEMEINSAME FACHLICHE STELLLUNGNAHME / PRESSEMITTEILUNG DES NATURWISSENSCHAFTLICHEN VEREINS WÜRZBURG e. V., ARBEITSKREIS STADTÖKOLOGIE, UND DES VERSCHÖNERUNGSVEREINS WÜRZBURG e. V. ZUR GEPLANTEN STRASSENBAHN-LINIE 6 IM BEREICH RINGPARK, OTTOSTRASSE, BALTHASAR-NEUMANN-PROMENADE

Ringpark

Auch wenn die Planung der Ingenieure, die Ottostraße mit einer Durchquerung des Ringparks am Amtsgericht direkt an die Sieboldstraße anzubinden, bei einem Blick auf das Reißbrett logisch erscheint, so würde diese erneute Zerschneidung im Zuge der Streckenplanungen für die projektierte Straßenbahn-Linie 6 den Ringpark empfindlich treffen.

Der für diesen Fall geplante und als Ausgleich angepriesene Rückbau des Abschnitts der Ottostraße im Ringparkbereich mit anschließender Renaturierung würde den Eingriff nicht abmildern oder gar ökologisch ausgleichen können. Auch die flächenmäßige Bilanz schließt hier negativ ab.

So zeigt die Erfahrung, daß auch bei einer eingleisigen Ringparkdurchquerung allein durch die Baumaßnahmen ein mindestens zehn Meter breiter Streifen beidseits der Trasse ebenfalls zerstört würde. Sollte es zu einer zweigleisigen Anlage, eventuell sogar mit paralleler Straßenführung, kommen, so würde das im Extremfall während der Bauphase eine Schneise von dreißig bis vierzig Metern Breite nach sich ziehen.

Es gilt auch hier der ökologische Grundsatz „Erhaltung vor Neuanlage“, zumal der Verlust teilweise sehr alter und wertvoller Gehölze und parkhistorisch bedeutsamer Strukturen nicht durch den Rückbau eines Straßenabschnitts mit vielen, teilweise kaum umzulegenden Versorgungs- und Leitungssystemen im Untergrund ausgeglichen werden kann. Auf diesem zur Renaturierung vorgeschlagenen Abschnitt können Gehölze in der Dimension, wie sie auf der preisgegebenen Grünanlagen-Partie stehen, gar nicht wachsen!

Die Maßnahme insgesamt würde zahlreiche, sehr alte und wertvolle Gehölze vernichten und ganze Lebensgemeinschaften in diesem Bereich zerstören. Dieser Verlust läßt sich nicht durch eine kleine renaturierte Fläche mit eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten ausgleichen – einmal davon abgesehen, daß selbst bei einer größeren Ersatzfläche ein ökologischer Werteausgleich erst in fünfzig bis achtzig Jahren möglich wäre! Grünbereiche sind keine toten Dekorationsobjekte, die man nach Belieben planerisch verschieben kann, sondern komplexe Lebensgemeinschaften.

In dem betroffenen Ringpark-Abschnitt leben einige besonders schützenswerte Tier- und Pflanzenarten. So konnten von den Biologen des Arbeitskreises Stadtökologie des Naturwissenschaftlichen Vereins Würzburg Arten der Roten Listen sowie durch das Naturschutzgesetz besonders geschützte Arten festgestellt werden, die durch einen Eingriff in diesem Bereich vernichtet oder verdrängt würden.

Parkhistorisch gehört dieser Bereich des Ringparks zu den bemerkenswertesten der gesamten Anlage. Hier findet man nicht nur ein besonders gut ausgeformtes Bodenrelief, welches noch auf originale Planungen Lindahls zurückgeht, sondern auch typische gestalterische Elemente dieser Zeit – so einen Sichtachsen-Sitzplatz und ein sehr gut erhaltenes Halbrondell mit klassischer Bepflanzung. Dies alles würde den Planungen geopfert und für immer vernichtet werden. An dieser Stelle sei zudem darauf hingewiesen, daß der Ringpark Würzburg komplett unter Denkmalschutz steht.

Während andere Städte in Deutschland bemüht sind, die durch den Klimawandel indizierten negativen Auswirkungen auf das Leben in der Stadt zu verringern, indem sie gesonderte Planungsprogramme auflegen, um die vorhandenen Grünstrukturen und Baumbestände zu erhalten und trotz notwendiger Bauvorhaben zu vermehren, so besteht in Würzburg die Gefahr, daß der falsche Weg eingeschlagen wird.

Aus unserer Sicht kommt bei Planungen einer Anbindung der Sieboldstraße nur eine Streckenführung auf der bestehenden Achse über Ottostraße und Friedrich-Ebert-Ring in Frage. Um Eingriffe in den Randbereich des Parks zu minimieren, sollte in diesem Abschnitt die Trasse eingleisig verlaufen.

Balthasar-Neumann-Promenade / Ottostraße

Im weiteren Verlauf gehört die Ottostraße zu den wenigen alleegesäumten Straßen in Würzburg. Auch hier sollte bei der Planung, z. B. durch eine Einbahnstraßenregelung, darauf hingewirkt werden, daß der Baumbestand erhalten werden kann. Die Wirkung der Ottostraße als verlängerte Frischluftschneise des Ringparks für die Innenstadt ist bedeutend, für jedermann erlebbar und meßbar.

Ein besonderes Augenmerk muß auch auf den Erhalt der mehrzügigen Baumallee in der Balthasar-Neumann-Promenade, im Weichbild des UNESCO-Weltkulturerbes „Würzburger Residenz“, gelegt werden.

Historisch und ökologisch ist hier die zweizügige, hofgartenseitige Lindenallee durch ihre Anbindung an den Hofgarten besonders wertvoll und besser erhalten, als die zweizügige Allee auf der anderen Promenadenseite. Aus diesem Grunde ist die Straßenbahntrasse unbedingt weg von der Hofgartenseite auf die Häuserseite zu legen – das Setzen der Oberleitungsmasten in die intakte Alleestruktur würde zu irreparablen dendrologischen, ökologischen und ästhetischen Schäden führen.

Die veröffentlichten Grafiken zu den Trassenplanungen im Bereich der Balthasar-Neumann-Promenade lassen berechtigte Zweifel aufkommen. Die dargestellte Straßenbreite mit zwei Richtungsfahrbahnen, einer zweigleisigen Trassenführung und unveränderter, vierzügiger Allee mit kaum erkennbaren Oberleitungen entspricht keinesfalls der Realität der tatsächlichen Straßenbreite und wirkt manipulativ.

Die unterzeichnenden Verbände möchten zudem darauf hinweisen, daß Straßenbahn-Querverbindungen, z. B. ausgehend von der Sanderstraße, ebenfalls mit nicht hinnehmbaren Baumverlusten verbunden sind und von uns deshalb abgelehnt werden.

NWV und VVW begrüßen die Einrichtung einer umweltfreundlicheren Alternative zum Linienbus ausdrücklich, fordern aber die Planer und Verantwortlichen der Stadtverwaltung auf, mehr Feingefühl im Umgang mit historisch und ökologisch wertvollen Bereichen des Stadtgrüns walten zu lassen und das Grün unserer Stadt nicht als Manövriermasse anzusehen, sondern dessen Bedeutung für das Stadtklima und die Stadtökologie anzuerkennen. Die Durchquerung des Ringparks auf einer neuen Trasse lehnen wir ab.

Naturwissenschaftlicher Verein Würzburg e. V. AK Stadtökologie & Verschönerungsverein Würzburg e. V.

gez. Joachim G. Raftopoulo, EurProBiol., Dipl.-Biol. Mitglied der Vorstände von VVW und NWV Leiter AK Stadtökologie