Mord am Justizhaus!


Unter dieser Überschrift verfasste die FAZ, Frankfurter Allgemeine Zeitung, einen großen Artikel über diese Würzburger Bausünde, die noch immer nicht abgeschlossen ist (9/2009).

In einem anderen Artikel der FAZ heißt es über Würzburg und die Zerstörung des Justizpalasts:
"Womöglich hat man in einer Stadt, in der Denkmalschützer nicht einmal einen palastartig gestalteten Justizbau des späten neunzehnten Jahrhunderts vor dem Abriss retten können, über der immer noch ansehnlichen Menge wertvoller Substanz den Sinn für die Unersetzlichkeit jedes historischen Erbes verloren" (Jürgen Richter: Die Spurensetzer. Würzburg verkürzt die Halbwertzeit von Denkmälern vom 1.4.2000 in der FAZ)

Die Zerstörung des Gebäudekomplex dauert nun schon 10 Jahre. Zunächst wurde der gesamte zuvor als Gefängnis genutze, nördliche Teil völlig abgerissen. Darüber berichten die hier zitierten Artikel. Dann wurde der südliche Teil vollkommen entkernt, das Treppenhaus zerstört, die Fassade zur Residenz hin aufgebrochen und mit Neubauten und Glasfassade verschandelt.


Nur Teile der Fassade wurden erhalten



Im Feuilleton der FAZ erschienen, wie in anderen überregionalen Medien, beschämende Berichte über den Umgang mit dem Gebäudekomplex. Am 16.2.2000 nach der Entscheidung des Stadtrats auch der Artikel "Mord am Justzhaus":

Zunächst wird die Bedeutung der Bauwerke beschrieben, u.a.:
"... Das Ensemble mit seiner historisierenden Palastarchitektur gehört zu einem Kranz repräsentativer Gebäude, die wie in Wien den Ringpark begleiten. ..."

Um dann über das Verhalten des Baustadtrats zu berichten:

"...Unter den 25 Teilnehmern wurden drei Büros prämiert, die den Neubau nach dem Totalabriss vorschlugen.
Nach Auskunft von Stadtbaurat Christian Baumgart waren die Entwürfe mit Einbeziehung alter Bausubstanz nicht schlüssig, ein Aufbau hinter der entkernten Fassade sei nicht stimmig zu realisieren. (Red.: Lesen Sie hier wie funktionstüchitg der ausgewählte 25 Millionen Neubau tatsächlich ist)

Foto: Das abgerissene Gebäude in der Ottostraße*

Weiter kritisiert die Zeitung:

Das Landesamt für Denkmalpflege, das in Bayern nur beratende Behörde ist, konnte mir seiner Ablehnung die Stadt als zuständige Instanz für die baurechtliche Genehmigung von der Abrissfreigabe des alten Gefängnisses nicht abbringen.
Noch in diesem Monat soll damit ein weiterer markanter Blickfang aus dem Stadtbild verschwinden. Dabei hat man gerade in Würzburg gute Erfahrungen gemacht mit einem ähnlichen Gebäudekomplex zwischen Dom und Residenz, der nach der Entkernung für die Zwecke der Musikhochschule ausgebaut wurde.

Im Falle des Gefängnisses wurden alle nur denkbaren Argumente von der kleinteiligen inneren Raumstruktur über die tragenden Funktionen der Zellwände bis zu den kleinen Oberlichtern bemüht, um auch der Erhaltung der Fassade die Grundlage zu entziehen. Die armen Sünder in Würzburg können nur hoffen, dass die Justiz mit ihnen milder umgeht als mit ihrem baulichen Erbe."
(Jürgen Richter)


Links: An der Hofseite des südlichen Justizpalast werden derzeit Anbauten der Fassade vorgesetzt. Ein seltsames Zwischengeschoss wurde verglast eingebaut anstelle des historischen Dachgeschosses mit großen Dachgauben. Rechts: Beim südlichen Justizpalast entschied man sich immerhin für einen weitestgehenden Erhalt der Außenfassade.

* Foto: Ursula Becker