Neu aus Hamburg: Das Gänge-Viertel als Vorbild für das Moz-Areal?
Entwicklungskonzept für das Gängeviertel
1. Hintergrund
Am 22. August 2009 hat die Initiative „Komm in die Gänge“ begonnen, ein kulturelles Hoffest
zu veranstalten, das bis heute andauert und schon über 10.000 Besucher zählte. Die
Initiative will damit die denkmalwürdigen Gebäude des „Gängeviertels“ (Caffamacherreihe /
Valentinskamp) retten und zugleich Lösungen für die Raumnot von Hamburger
Kulturschaffenden bieten. Nach dem Vorsatz „Recht auf Stadt“ setzt sie sich für eine stärkere
Einbeziehung und Partizipation der Bürger in den stadtpolitischen Gestaltungsprozess ein
und fordert von der Stadt, baukulturelle und soziale Verantwortung zu übernehmen.
2. Vision / Leitbild
Die Initiative ‚Komm in die Gänge’ strebt an, das Gängeviertel auf Basis der
Selbstverwaltung wieder zu beleben und nachhaltig zu entwickeln.
Sie will bezahlbaren Wohn- und Arbeitsraum für die Stadt Hamburg und seine Anwohner
schaffen sowie ein soziokulturelles Zentrum aufbauen. Dabei soll der historische
Ursprungsgedanke und -charme einer funktionalen Mischung aus Wohnen und Arbeiten
einerseits und der Durchmischung verschiedenster Bevölkerungsgruppen andererseits in die
Gegenwart transportiert werden.
Ein weiteres Ziel besteht darin, die bauliche Gestalt und Struktur des Ortes vor dem Verfall
zu retten und zu schützen, um die historische Zeugniskraft und die außerordentlich prägende
Stadtstruktur auch zukünftig zu erhalten.
Der Grund und Boden des Gängeviertels soll grundsätzlich aus dem monetären
Verwertungsdruck herausgenommen werden. Zu diesem Zwecke wird das Stadtquartier den
Bürgern der Stadt als öffentlicher Raum ohne Konsumzwang zur Verfügung stehen, abseits
der fortschreitenden Kommerzialisierung von städtischen Freiräumen und als Angebot zur
aktiven Mitgestaltung in der Stadt.
3. Nutzungskonzept
Als Modell für eine menschlichere Stadt mit Vorbildcharakter entwickelt die Initiative ein
buntes und interdisziplinäres Quartier mit einem Generationen übergreifenden, lebendigen
und respektvollen Nebeneinander aus Wohnen, Handwerk, Kunst, Handel, Begegnung und
sozialer Fürsorge. Zu diesem Zwecke gliedert sich das Nutzungskonzept in insgesamt vier
Teilbereiche (vgl. Abb. 2).
Ca. 60% der insgesamt 7000m² großen Nutzfläche dient als Wohnraum. Dabei sind sowohl
reine Wohnformen, als auch Wohnateliers und eine Künstlerpension angedacht, die weite
Teile der Obergeschosse abdecken.
Unter Einbindung bereits bestehender Nutzungen entfallen ca. 20 % der Fläche auf
gewerbliche Aktivitäten. Diese finden sich bevorzugt in den Erdgeschosszonen
Valentinskamp und Caffamacherreihe, der Schier’s Passage und den Souterrainbereichen
der Speckstrasse.
Als soziokulturelles Herz des Viertels bietet die fast mittig im Quartier gelegene Fabrik
Raum für Projekte, Veranstaltungen, Ausstellungen und Gemeinschaftsateliers.
Eine Mischnutzung aus Gewerbe und soziokulturellen Angeboten, wie beispielsweise durch
Galerien und Werkstätten, ist für die Puppenstube am Valentinskamp 39 und die Druckerei
am Valentinskamp 32 vorgesehen. Ein wesentlicher Bestandteil des vierten Pfeilers, der
Freiraumgestaltung, ist die Schaffung eines internen Wegenetzes, das die Höfe des
Viertels miteinander verbindet. Besonderes Augenmerk wird auf die Höhenversprünge des
Geländes gelegt, die unterschiedliche Erlebnisräume ausbilden werden
4. Forderungen an die Stadt
Der Initiative soll es ermöglicht werden, sich dem Erhalt des historischen Erbes
anzunehmen, um die Häuser denkmalgerecht instand zu setzen und das langfristige
Entwicklungskonzept umzusetzen. Grundvoraussetzung und dringliche Maßnahmen dafür
sind die Anhandgabe des Quartiers durch die Stadt sowie die Grundsicherung und
Winterfestmachung der Gebäude durch die Eigentümer. Zusätzlich fordert die Initiative einen
angemessenen Zeitrahmen, um ihr Finanzierungskonzept ausarbeiten zu können, für das
bereits diverse Unterstützungsangebote von Stiftungen und Investoren existieren. Die Stadt
wird als ‚Ermöglicher’ und Unterstützer bürgerschaftlichen Engagements aufgerufen, damit
im transparenten Dialog auf Augenhöhe eine gemeinsame Erarbeitung von konstruktiven
Lösungen stattfinden kann.
Mehr: www.gaengeviertel.info